Dienstag, 4. September 2012

Buchkritik: Bertold Ulsamer, Die gestresste Seele

Falscher Ehrgeiz bis zur totalen Erschöpfung


Bertold Ulsamer zeigt Wege zur Eigenständigkeit und zu mehr Lebensraum ohne Zwänge


Burnout ist ein moderner Begriff für ein altes Phänomen. Menschen testen
ihre Grenzen bis zum Äußersten aus, bis nichts mehr geht. Auf einmal
bricht dann die Kraft weg, ein 12- oder 14-Stunden-Tag - vollgepackt mit
Arbeit - ist nicht mehr möglich. Teilweise können die Betroffenen zunächst
überhaupt nichts mehr leisten. Sie haben sich über Gebühr strapaziert. Der
Diplom-Psychologe Bertold Ulsamer analysiert wie mit einem chirurgischen
Skalpell die Ursachen dafür in seinem Buch "Die gestresste Seele - Neue
Kraft bei Burnout und Erschöpfung" inklusive zwei CDs zum Üben.
Für den erfahrenen Seminarleiter sind Anpassung und Leistung uralte
Programme. Der Mensch ist ein Herdentier. Wenn andere Überstunden
machen, passt er sich an. Auch wenn nicht alle gleichermaßen leistungsfähig
sind und eine innere Stimme längst zu mehr Ruhe rät. Die weitere Botschaft
lautet, dass der Gestresste kein Opfer ist. Jeder kann aus dem Hamsterrad
aussteigen, selbst wenn das nicht leicht ist. Und last but not least kann ein
Burnout sehr nützlich sein, um innezuhalten und Ziele neu zu überdenken.
Ulsamer formuliert es so: "Erst wenn jemand erkennt, wie er sich die
Gitterstäbe selbst vor die Nase setzt, kann er dieses Gefängnis verlassen."
Damit gibt der Autor einem die Verantwortung zurück, ohne zu verurteilen
oder zu maßregeln. Sowohl Männer als auch Frauen sollen Superwoman
oder Superman sein, doch in der Realität sind Menschen eben nun einmal
keine Maschinen. Sie brauchen gerade in einer durch und durch vernetzten
Welt Ruhephasen. Viele werden überall dauerberieselt, sodass sie kaum
mehr Stille ertragen können. Die interessanteste Kernbotschaft des
Therapeuten ist die, dass der meiste Druck von innen kommt - abgesehen
von dem Geräuschpegel in Cafés und Supermärkten.
Die beiden CDs fordern den Zuhörer, sein eigenes Leben zu hinterfragen.
Auch in der Kindheit ein wenig nach Mustern zu forschen. Selbst wenn
die Fragen, die Ulsamer stellt, vielleicht nicht so bequem sind. Das Leben
jedoch liegt weitgehend in der eigenen Hand - zumindest, was wir
daraus machen. Auch nach einer Scheidung, Trennung, dem Job-Verlust
oder einer Krankheit. Der Ratgeber ist ein aufrüttelndes Buch für
ein selbstbestimmtes Leben ohne die übrigen Plattitüden vieler anderer
Publikationen.
(c) Corinna S. Heyn

Bertold Ulsamer,
Die gestresste Seele.
Neue Kraft bei Burnout und Erschöpfung.
Mit 2 CDs.
Kösel Verlag 2012
Hardcover

Freitag, 22. Juni 2012

Meditation: Linda Lehrhaupt, Die Wellen des Lebens reiten


Mehr innere und äußere Ruhe gewinnen


Zen-Meditation als Schlüssel für eine bessere Balance


In unserer Leistungsgesellschaft hat Nichtstun einen
vernichtend geringen Stellenwert. Wer einfach nur
dasitzt, ist faul. Dabei sind Ruhephasen für den
Organismus so wohltuend. Linda Lehrhaupt ist Zen-Lehrerin.
Die gebürtige New Yorkerin lebt in Deutschland und
praktiziert Zen seit 1979. Sie ist die Gründerin und
Leiterin der Zen-Herz e.V. in Deutschland. Aus ihrer
Erfahrung weiß sie, dass das Loslassen einer
profitoirentierten Denkweise diametral entgegengesetzt ist.
Dabei geht es beim Loslassen nicht darum, Güter zu verschenken.
Es ist der Ansatz, sich vom totalen Sicherheitsdenken
endgültig zu verabschieden. "Der Weg des Loslassens hat
vielmehr damit zu tun, Neues zuzulassen und Altes hinter
sich zu lassen", schreibt sie in ihrem Buch "Die Wellen
des Lebens reiten". Manche halten partout an vergangenem
Unrecht mit Groll fest oder an unliebsamen Gepflogenheiten.
Obwohl ihnen das schadet. Linda Lehrhaupt fordert auf,
dem Fluss des Lebens mehr zu vertrauen. Der Beginn dazu
besteht in der Achtsamkeit für das eigene Befinden. Den
Körper nehmen viele erst dann wahr, wenn irgendetwas
schmerzt. Die Dozentin lehrt, den Körper bewusst zu
spüren. Ein achtsames Leben sei die positive Folge davon.
Bei der Meditation geht es darum, sich zu zentrieren.
Falls zu viele Gedanken einströmen, sollte einfach auf
den Atem geachtet werden. Zur Not kann bei jedem Ein- und
Ausatmen gezählt werden. Das Gehirn produziert fortlaufend
Gedanken. Sie haben eine große Kraft, je nachdem, was
der Einzelne zulässt. Es ist deshalb nicht gleichgültig,
was der Mensch denkt. Wer sich selbst immer wieder
eintrichtert, Stress nicht ändern zu können, der verankert
solche Glaubenssätze innerlich und handelt danach. Linda
Lehrhaupt weist einen Weg aus dem Dilemma. Da Gedanken
oft mit Gefühlen einhergehen, gilt es diese wahrzunehmen.
Sind sie negativ, stellt sich die Frage, ob sie nicht durch
etwas Positives ersetzt werden können. Die Autorin erlebte
einige Schicksalsschläge in ihrem Leben. Als sie 16 Jahre
alt war, erlitt ihr Vater eine Aneurysma im Gehirn.
Vier Jahre später wurde bei ihrer Mutter Brustkrebs
diagnostiziert. Linda Lehrhaupt tat sich lange schwer,
Hilfe von anderen anzunehmen. Durch die Meditation - es
gibt Sitz-, aber auch Gehmeditationen - kann jeder lernen,
sich selbst zu lieben. Das ist ebenfalls verpönt, denn
Menschen werden an ihrer Leistungskraft gemessen. Die
Verfasserin lädt den Leser ein, freundlich zu sich selbst
zu sein, auf Geräusche zu achten, auf die eigenen Empfindungen,
Gedanken zuzulassen, auch unangenehme Gefühle nicht zu
verdrängen. Gut zu sich zu sein ist eine Haltung für mehr
Mitgefühl für andere. Der Ratgeber ist Arbeitsbuch, Coach und
eine Mut machende Stimme in einem gegen die Hektik der Zeit
für mehr Ruhe im Strom des Lebens.
(c) Corinna S. Heyn


Linda Lehrhaupt,
Die Wellen des Lebens reiten.
Mit Achtsamkeit zu innerer Balance.
Herausgegeben von Christa Spannbauer.
Kösel Verlag 2012.
Preis: 16,99 Euro
www.koesel.de
www.institut-fuer-achtsamkeit.de
www.karuna.ch
www.hausderstille.org
www.puregg.at

Sonntag, 25. März 2012

Zehn Minuten Urlaub auf den Ohren

Kraft tanken per CD  mit Yoga
 
Wir sind tagtäglich im Beruf oder auch privat stark gefordert. Nur selten
gibt es Ruhephasen. Wer einem Burnout vorbeugen will, der nimmt sich
ungefähr eine Stunde Zeit, um zu meditieren. Das klappt problemlos mit
einer CD  "Kraft tanken - Entspannung für den Tag -  und einem CD-Player.
Brahmadev Marcel Anders-Hoepgen widmete seine sprachgeführte
Meditation seinem Vater. Anders-Hoepgen studierte Musik und praktiziert
seit seiner Kindheit Yoga- und Meditationstechniken. Er meisterte damit
Stress und Lampenfieber. Aus dem "Hobby" wurde seine Berufung.
Er gab seinen Beruf als Musiker auf und folgte dem Guru Shri Yogi Hari,
der ihn unter seine Fittiche nahm. Seit 2004 nennt sich der Deutsche
"Sampoorna Yoga Meister". Die CD lehrt einen, sich auf verschiedene
Körperteile und auf die An- und Entspannung zu konzentrieren. Um Energie
zu gewinnen, ist Energie nötig. Das klingt zunächst widersprüchlich,
ist es aber nicht. Die Vorstellungskraft wird geschult, indem sich der
Zuhörer einen Lichtstrahl vorstellen soll, der ihn durchdringt oder "Plaque"
aus dem Körper spült. Parallel zur sprachlichen Anleitung ertönt Musik
von Johann Sebastian Bach, gespielt auf der Gitarre von Marcel Anders-Hoepgen.
Die Musik ist angenehm, aber nicht einschläfernd. Fünf Übungen - teilweilse
ganz ohne Ton - sorgen für das Loslassen des Alltags. Beim Yoga Nidra,
dem Minutenschlaf der Yogis, erklingen fernöstliche Töne wie Mantras
namens "Eternal Om". Beim letzten Stück zum Thema "Spannung loslassen"
gibt die Flöte des "Shanti" den maßgebenden Ton an. Zwar stimmt der Titel
"Zehn Minuten Urlaub" auf dem Cover der CD aufgrund der Gesamtlänge
nicht ganz, dafür aber gelingt mühelos das Abdriften aus der Realität, um
erholt wieder in den Tag zu gehen und energetisch erholt weiterzumachen.
Corinna S. Heyn
 
Brahmadev
Marcel Anders-Hoepgen, Zehn Minuten Urlaub.
Kraft tanken. Entspannung für den Tag.
3 geführte Meditationen aus dem Sampoorna Yoga.
Systemed Verlag.
1 CD mit ca. 70 Minuten Laufzeit
Preis: 9,95 Euro