Freitag, 22. Juni 2012

Meditation: Linda Lehrhaupt, Die Wellen des Lebens reiten


Mehr innere und äußere Ruhe gewinnen


Zen-Meditation als Schlüssel für eine bessere Balance


In unserer Leistungsgesellschaft hat Nichtstun einen
vernichtend geringen Stellenwert. Wer einfach nur
dasitzt, ist faul. Dabei sind Ruhephasen für den
Organismus so wohltuend. Linda Lehrhaupt ist Zen-Lehrerin.
Die gebürtige New Yorkerin lebt in Deutschland und
praktiziert Zen seit 1979. Sie ist die Gründerin und
Leiterin der Zen-Herz e.V. in Deutschland. Aus ihrer
Erfahrung weiß sie, dass das Loslassen einer
profitoirentierten Denkweise diametral entgegengesetzt ist.
Dabei geht es beim Loslassen nicht darum, Güter zu verschenken.
Es ist der Ansatz, sich vom totalen Sicherheitsdenken
endgültig zu verabschieden. "Der Weg des Loslassens hat
vielmehr damit zu tun, Neues zuzulassen und Altes hinter
sich zu lassen", schreibt sie in ihrem Buch "Die Wellen
des Lebens reiten". Manche halten partout an vergangenem
Unrecht mit Groll fest oder an unliebsamen Gepflogenheiten.
Obwohl ihnen das schadet. Linda Lehrhaupt fordert auf,
dem Fluss des Lebens mehr zu vertrauen. Der Beginn dazu
besteht in der Achtsamkeit für das eigene Befinden. Den
Körper nehmen viele erst dann wahr, wenn irgendetwas
schmerzt. Die Dozentin lehrt, den Körper bewusst zu
spüren. Ein achtsames Leben sei die positive Folge davon.
Bei der Meditation geht es darum, sich zu zentrieren.
Falls zu viele Gedanken einströmen, sollte einfach auf
den Atem geachtet werden. Zur Not kann bei jedem Ein- und
Ausatmen gezählt werden. Das Gehirn produziert fortlaufend
Gedanken. Sie haben eine große Kraft, je nachdem, was
der Einzelne zulässt. Es ist deshalb nicht gleichgültig,
was der Mensch denkt. Wer sich selbst immer wieder
eintrichtert, Stress nicht ändern zu können, der verankert
solche Glaubenssätze innerlich und handelt danach. Linda
Lehrhaupt weist einen Weg aus dem Dilemma. Da Gedanken
oft mit Gefühlen einhergehen, gilt es diese wahrzunehmen.
Sind sie negativ, stellt sich die Frage, ob sie nicht durch
etwas Positives ersetzt werden können. Die Autorin erlebte
einige Schicksalsschläge in ihrem Leben. Als sie 16 Jahre
alt war, erlitt ihr Vater eine Aneurysma im Gehirn.
Vier Jahre später wurde bei ihrer Mutter Brustkrebs
diagnostiziert. Linda Lehrhaupt tat sich lange schwer,
Hilfe von anderen anzunehmen. Durch die Meditation - es
gibt Sitz-, aber auch Gehmeditationen - kann jeder lernen,
sich selbst zu lieben. Das ist ebenfalls verpönt, denn
Menschen werden an ihrer Leistungskraft gemessen. Die
Verfasserin lädt den Leser ein, freundlich zu sich selbst
zu sein, auf Geräusche zu achten, auf die eigenen Empfindungen,
Gedanken zuzulassen, auch unangenehme Gefühle nicht zu
verdrängen. Gut zu sich zu sein ist eine Haltung für mehr
Mitgefühl für andere. Der Ratgeber ist Arbeitsbuch, Coach und
eine Mut machende Stimme in einem gegen die Hektik der Zeit
für mehr Ruhe im Strom des Lebens.
(c) Corinna S. Heyn


Linda Lehrhaupt,
Die Wellen des Lebens reiten.
Mit Achtsamkeit zu innerer Balance.
Herausgegeben von Christa Spannbauer.
Kösel Verlag 2012.
Preis: 16,99 Euro
www.koesel.de
www.institut-fuer-achtsamkeit.de
www.karuna.ch
www.hausderstille.org
www.puregg.at

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